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NEWS

Saturday
Nov022019

Die Zeichen stehen auf Fragezeichen

2019/11/02

Ich bin überwältigt von dieser China-Reise. Aufgrund meiner ausufernden und engagierten Erzählungen diagnostizierten meine Studienkolleginnen gestern mitfühlend einen kleinen Kulturshock. So schlimm wird es wohl nicht sein, aber trotzdem tauchen immer wieder Erlebnisse auf, die einer Einordnung bedürfen.
Nicht erst die CISM-Affäre hat mich dazu gebracht, den Zusammenhang zwischen Sport, gesellschaftlichem Leben und der Politik zu hinterfragen. Als Spitzensportlerin tendiere ich dazu, meine ethischen und politischen Prinzipien über Bord zu werfen, sobald sie einen negativen Einfluss auf die sportliche Entwicklung haben könnten. Das finde ich verwerflich, mache es aber doch immer wieder.
Jüngstes Beispiel: ein klimaschädlicher Langstreckenflug für die Teilnahme an einem Wettkampf, den ein Regime für seine Propaganda nützt.

In der Folge China-Geschichten in kleinen Happen (zur besseren Verträglichkeit):

Eröffnungsfeier
Die letzte Eröffnungsfeier für einen Weltcupblock (soweit ich mich erinnere) war 2014 in der Türkei. China war grösser und pompöser, mit Live-Übertragung im Fernsehen und Metalldetektor am Eingang. Die eingespielten China-Werbevideos zielten voll auf die Gefühlsebene und die Rede des IOF-Präsidenten war parteipolitisch korrekt. Den Athletenschwur und den Schwur des Schiedsrichters verstanden wir leider nicht, die waren auf Chinesisch…

Mia
Kaum im Hotel angekommen, wurden Simon und ich von Studenten belagert, die als Volunteers für jegliche Übersetzungs- und andere Probleme im Einsatz waren. Fürs Schweizer Team war Mia zuständig, eine Linguistikstudentin und ein richtiger Goldschatz. Mia organisierte uns Getränke zum Anstossen nach Erfolgen, kümmerte sich darum, dass wir rechtzeitig an den Flughafen abreisten und liess es nicht zu, uns ohne Abschiedsgeschenk ziehen zu lassen. Als ich nach dem Sprint der Siegerin Hao Shuangyan gratulieren wollte, half mir Mia bei der Übersetzung. Hao spricht leider kein Englisch. Mein Versuch, herauszufinden, was sie vom Wettkampf hält und wie sie sich darauf vorbereitet hat, endete nach zwei Fragen.
How was your race? Good.
Are you going to run WOC next year? Maybe. I hope so.
Die Diskussionen über missachtete Fairnessregeln, besonders auch wegen dem überraschenden chinesischen Resultat im Männerrennen, gingen nach diesem Wettkampf durch die Decke. Ich begrüsse es sehr, dass die Ethikkommission des IOF sich diesem Fall nun annimmt und ich verstehe die grossen Zweifel, die vor dem Hintergrund des CISM-Vorfalls (sehr offensichtlich schummelndes chinesisches Team) im Raum stehen. Aber so lange nichts bewiesen ist, hoffe ich, dass Haos Resultat fair zu Stande kam.

Sprintgelände
Findest du Wald-OL spannender als Sprint? Ich wette, auch du hättest leuchtende Augen nach ein paar Posten auf den Weltcup- und Trainingskarten. Es ist «intense», für Augen, Nase, Füsse und den Kopf…

Bananenplantagen
Auch Wald-OL ist in China anders. Hellgrün auf der Karte sind Bananenplantagen im Gelände, das musste man an der Mitteldistanz zuerst mal checken. Danach hat es aber richtig Spass gemacht, zwischen den Bananenpalmen hindurch zu laufen, Dornen oder anderes nerviges Unterholz gibt es dort nämlich nicht. Ansonsten war es gar nicht so anders als in der Schweiz, teilweise steil, teilweise etwas schwammig im Postenraum und mehrheitlich Laufen auf kleinen und grösseren Wegen.

Gepäcktransport
Es ist an internationalen Wettkämpfen üblich, dass der Organisator unser Gepäck von der Quarantäne in die Zielarena transportiert. Was nicht üblich ist, sind die Sicherheitskontrollen beim Eingang zur Quarantäne, bei der sowohl Mensch als auch Tasche geprüft wurden. Wollte man seine Tasche dann aufgeben, erklärten einem sicher sechs Helfer bei der Gepäckannahmestelle, dass man dazu noch eine extra für den Weltcup angefertigte «luggage card» ausfüllen müsse. Neben Namen und Startnummer war dort die Telefonnummer zu notieren, wie viele Gepäckstücke man abgebe und wann man das Gepäck wieder abholen wolle. Es war wirklich alles durch und durch organisiert, oder wohl eher «überorganisiert», schliesslich lag das Mobiltelefon, dessen Nummer ich angegeben habe, ausgeschaltet in eben jener Tasche, die der Organisator transportieren sollte… Die «luggage card» hätte auch noch einen zweiten Teil gehabt, die «luggage withdraw»-Karte. Zum Glück wurde die nicht eingesetzt, sonst hätte ich sie wohl in die Tasche der OL-Hosen stopfen müssen um sie im Ziel auch bereit zu haben…

Picture picture
Als Europäerin in China unterwegs zu sein, das ist ein richtiger Boost fürs Selbstvertrauen. Die Mütter drehen ihre Kleinkinder um, damit sie das Naturwunder «Langnasen-Mensch spaziert vorbei» auch ja nicht verpassen. Schüler rufen «hello hello» und wenn du zurückwinkst, finden sie es super. Aber am wichtigsten ist, wer ein Handy zur Hand hat, der schiesst ein Foto (und so ziemlich alle Chinesen hatten ein Handy zur Hand). Der ganze Rummel machte auch nicht vor der Quarantäne und dem Vorstart halt. Ein Foto mit Langnasen in roten Swiss-Dress scheint noch eine Stufe höher bewertet zu sein. Gar ein Gruppenbild zu besitzen von Schweizerinnen und Schweizern auf der Bühne, dass muss unglaublich cool sein. Ich glaube, es waren noch nie so viele Kameralinsen gleichzeitig auf mich gerichtet. Leider haben wir es verpasst, das Handy zu zücken und in die andere Richtung zu fotografieren. Da merkt man die fehlende Übung…
Alle Bilder dieses Berichts sind vom Organisator zur Verfügung gestellt und waren jeweils nach kürzester Zeit online verfügbar. Ein sehr guter Service! Hier kann man die ganze Galerie betrachten.

Rangverkündigung
Es ist schön, wenn man bei einer Rangverkündigung auf der Seite steht, die aufs Podest hochdarf. Mit meinem 3. Rang in der Mitteldistanz und dem 4. im Sprint, konnte ich chinesische Rangverkündigungen gleich zweimal hautnah erleben. Die Rangverkündigungs-Geschichte hätte ich eigentlich auch beim oberen Abschnitt anhängen können. Offensichtlich ging es nämlich ums Bild. Bei der Mitteldistanz wurden unsere Namen gar nicht erst genannt, wir bekamen Blumen in die Hand gedrückt, lächelten und winkten und freuten uns über die goldenen Konfetti, die herunterregneten. Die dritte Rangverkündigung, die fürs Weltcup-Gesamtklassement, verpassten Elena Roos und ich, weil wir dann bereits im Flugzeug Richtung Schweiz sassen. Aber auch dafür wussten die Organisatoren eine Lösung: Martina und Paula stehen nach vorne, die haben ja auch rote Kleider an und sehen europäisch aus. Keine Lücke auf dem Bild, alles sieht tiptop aus, was will man noch mehr?
Ob es der Wahrheit entspricht, das scheint niemanden zu kümmern.
(Entschuldigung Paula und Martina, dass wir euch in diese Situation gebracht haben…)

Fazit
Zurück bleiben viele Eindrücke von einer spannenden Reise und die Gewissheit, dass es einfach schön ist, in der Schweiz zu leben. Wie es sich der eine Redner an der Eröffnungsfeier gewünscht hat, wurde "the voice of China" in die (OL-)Welt herausgetragen. Die schrägen Zwischentöne hat er dabei wohl nicht mitgemeint...

Mehr Informationen (Ranglisten, Ol-Karten, Link zum GPS etc.) befinden sich im Livecenter auf der Homepage des Veranstalters.

Saturday
Aug242019

Wenn es kribbelt im Bauch

2019/08/24

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete...

... und mit einem Lächeln ist die schlimmste Nervosität nur noch halb so schlimm.

Zum Abschluss der WM in Norwegen klebten wir uns Schweizerkreuzchen auf die Wangen, hielten am Morgen nochmals eine kurze Teamsitzung ab und versuchten, das Kribbeln im Bauch so gut es geht zu ignorieren. Es kam nämlich nicht von Schmetterlingen sondern von der Nervosität auf den grossen Showdown, die Staffel!

Wie es uns lief, sieht man im Beitrag von SRF.

Für mich war es ein unglaubliches Erlebnis, an einer WM-Staffel für die Schweiz die letzte Strecke laufen zu dürfen. Davon träumt man, wagt kaum daran zu denken und wenn es dann plötzlich Realität ist, kriegt man schon einbisschen Schiss... Aber sobald mir Simona die Karte überreicht hatte, war ich so tief im Wettkampfmodus drin, dass ich kaum mehr merkte, um was es eigentlich geht. Ich lief einfach Posten für Posten an, versuchte meine OL-Aufgabe zu erledigen und hoffte, die Schwedin irgendwo abhängen zu können. Dazu kam es dann aber nicht. Auch mit einer gnadenlosen Tempoforcierung zum zweitletzten Posten konnte ich sie nicht abschütteln und als es dann raus auf den Golfrasen ging, zog sie einfach an mir vorbei. Das war bitter und natürlich war ich im ersten Moment sehr enttäuscht.
Nun freue ich mich aber sehr über die gewonnene Medaille und bin zufrieden mit dem, was ich gut gemacht habe. In einer Staffel kann viel passieren, wenn ich einen Fehler gemacht hätte, wären Russland und Norwegen vielleicht plötzlich wieder dran gewesen...
Soviel zu meinem Teil, sehr viel richtig gemacht haben aber auch Sabine und Simona auf den anderen beiden Strecken, einfach super!
Es steckt noch mehr dahinter, als man auf den ersten Blick denkt. Drei Läuferinnen stehen am Schluss in der WM-Staffel im Einsatz aber das ganze Frauenkader hat sich in Staffeltrainings abgerackert und zusammen mehr als 1000 Punkte gesammelt. Für jeden Posten, den wir sauber gefunden haben, kriegten wir einen Punkt- eigentlich einfach. Ein schlechter Posten gab aber satte 10 Minuspunkte und liess das Konto ab und zu mal schrumpfen... Die Idee war, dass wir auch in stressigen Staffelsituationen unsere Posten sicher anlaufen können. Man muss an einer Staffel nichts besonderes machen, einfach OL, aber das konzentriert und sauber. Schön, wenn es dann am grossen Zielwettkampf so gut aufgeht!
Ich glaube, wir haben an diesem Tag 39 von 39 möglichen Punkten gesammelt, da dürfen wir zufrieden sein und anerkennen, dass die Schwedinnen ganz wenig stärker waren.

Auch an der Langdistanz drei Tage vor der Staffel gab es Konkurrentinnen, die einfach stärker waren als ich.
Aber nicht mehr so viele wie auch schon.

Ich wurde 8., nur 40 Sekunden hinter den Diplomrängen aber mit mehr als 10 Minuten Rückstand auf Tove, die an diesem Wettkampf einfach in einer anderen Liga unterwegs war. Als sie mich einholte, versuchte ich dranzubleiben, rannte was ich konnte und musste sie trotzdem bald ziehen lassen. Danach schaffte ich es kaum mehr zweibeinig vorwärts zu kommen und stolperte entkräftet über jedes Hindernis, bis ich mich etwas erholte und wieder in meinen Lauf-Rhythmus fand.

Das GPS kann man hier anschauen.

 

 

Nach einer Pause, die sowohl Beine als auch Kopf nötig hatten, nehme ich nun die Herbstsaison in Angriff.

Zwei Highlights warten:

- Weltcup in der Schweiz

- und eine Reise nach China an den Weltcup-Final

Ich freue mich, wenn ihr mir wieder die Daumen drückt! Danke vielvielmals für die Unterstützung!

Monday
Aug122019

Die Ruhe-vor-dem-Sturm-Phase

2019/08/12

Es sind diese Tage, an denen kaum etwas geschieht, an denen man aber trotzdem vieles ganz genau wahrnimmt: War das ein Zucken im Muskel? Werden diese Regenschauer die Sümpfe so richtig tief werden lassen? Hat der Stadtpräsident von Sarpsborg einen Hinweis auf die Bahnen in seiner Rede versteckt? Ist das Ei ganz gekocht oder zu heikel zum Essen?

Jaja, die Vorwettkampf-Fragen tauchen auf...

Immerhin weiss ich langsam, dass ich gar nicht erst eine Antwort suchen muss, sondern einfach weitermachen. Und ein bisschen Lachen über die Nervosität, die sich immer so aufspielt vor der WM.

Zur Ablenkung hilft es auch, ein paar Fotos zu schiessen von unserer Umgebung hier auf Jeloy, einer Halbinsel vor Moss. Mir gefällt es sehr gut da!

Heute morgen haben wir auch den Selbstauslöser meiner Handy-Kamera getestet. An der Bildschärfe könnte man noch arbeiten aber das rot unserer Kleider ist photogen wie eh und je. :)

Wir sind bereit!

Drückt uns die Daumen:

Dienstag: 10.00-13.00, Mitteldistanz-Quali
Mittwoch: 10.30-18.20, Langdistanz (ich werde am Nachmittag starten)
Freitag: 13.30-18.20, Mitteldistanz-Final
Samstag: ab 16.20 Frauen-Staffel (mit mir), ab 18.30 Männer-Staffel

 > https://www.woc2019.no/en/